Forderungen

Chronische Schmerzen müssen als Krankheit anerkannt werden. Doch häufig dauert ihre Diagnose zu lange und sie werden nicht angemessen therapiert. Die Initiative "Wege aus dem Schmerz" will dazu beitragen, dass sich dies ändert. Um Schmerzpatienten einen Alltag zu ermöglichen, will sie für mehr Freiheit kämpfen - mehr Freiheit von Schmerz und die Befreiung von Behandlungswegen, die nicht zum Ziel führen. Die "Freiheitserklärung" nennt vier Schritte, die nötig sind, um Wege aus dem Schmerz zu gehen.

Ein Auszug aus der Freiheitserklärung

CHRONISCHE SCHMERZEN ERFORDERN MEHR AUFMERKSAMKEIT.

Schmerz ist allgegenwärtig, doch noch immer nicht als Krankheit akzeptiert. Chronische Schmerzen fehlen in den meisten Statistiken zur Erfassung und Bedeutung von Krankheiten. Deutschland braucht mehr Aufklärung über die Bedeutung und die Mechanismen von Schmerz. Die Schmerzforschung muss gezielt gefördert, und die Erkenntnisse müssen ihren Weg in die tägliche Praxis finden. Ärzte müssen Schritt halten mit den Ergebnissen und ihre Aus- und Weiterbildung stärker mit der Wissenschaft verzahnen. Der Grundstein zum Verständnis Chronischer Schmerzen muss bereits im Medizinstudium durch ein Pflichtfach gelegt werden. Deutschland braucht zudem einen Facharzt für Schmerztherapie.

CHRONISCHE SCHMERZEN MÜSSEN ALS KRANKHEIT ANERKANNT WERDEN.

Akute Schmerzen sind ein Warnhinweis. Werden Schmerzen chronisch, haben sie häufig keine klar erkennbaren Ursachen mehr. Der Chronifizierung können Ärzte nur dann begegnen, wenn auch Schmerzen als eigenständiges Krankheitsbild akzeptiert und abrechenbar werden. Strukturelle Probleme im Gesundheitswesen verhindern das: Krankenkassen erhalten einen Risikostrukturausgleich, wenn sie ältere und chronisch kranke Patienten versorgen. In der Liste der dafür relevanten Krankheitsbilder tauchen Chronische Schmerzen nicht auf. Auch strukturierte Behandlungsprogramme der Krankenkassen greifen nicht. Nur eine Änderung des Systems kann Ärzten darum ermöglichen, mit ihren Patienten Wege aus dem Schmerz zu gehen.

SCHMERZEN VERLANGEN VON ANFANG AN EINE GEZIELTE BEHANDLUNG.

Zwanzig Prozent der Patienten erhalten keine Behandlung, die ihre Schmerzen ausreichend therapiert. Bei über 40 Prozent der Patienten dauert die Suche nach der richtigen Therapie ein Jahr oder länger. Kaum eine Krankheit ist so vielschichtig wie Schmerz – jede Therapie und jedes Medikament muss individuell auf den Patienten abgestimmt sein. Ärzte müssen zielorientiert arbeiten und neue Behandlungswege gehen. Spezialisierte Therapiezentren beweisen, dass Chronische Schmerzen interdisziplinär behandelt werden können – mit Erfolg. Dieser Erfolg muss eine Messlatte für die gesamte Schmerzmedizin sein. Deutschland braucht eine flächendeckende Versorgungsstruktur und integrierte Versorgungsmodelle, auch im ambulanten Bereich.

IM MITTELPUNKT STEHT DER CHRONISCH SCHMERZKRANKE MENSCH.

Die Medizin muss sich mit einem neuen Effizienzgedanken beschäftigen: Was zählt, ist der Behandlungserfolg. Die Bedürfnisse der Patienten stehen im Mittelpunkt. Damit sie Erfolge messen können, brauchen sie mehr Informationen über ihr Krankheitsbild und die Möglichkeit zur Therapie. Jeder Behandlungspfad ist individuell. Ärzte müssen den Dialog mit ihren Patienten intensivieren, um gemeinsam Wege aus dem Schmerz zu gehen. Sie brauchen einen mündigen Patienten, der sich aktiv in die Therapie einbringt. Die Sicht der Patienten muss auch in die Selbstverwaltung einfließen. Sie brauchen ein Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss, um endlich nicht nur mitzureden, sondern auch mitzuentscheiden.