Was ist Chronischer Schmerz?
Chronische Schmerzen gehören zu den größten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Zehn bis zwanzig Prozent der Bundesbürger leiden unter ihnen - das sind etwa zwölf Millionen Menschen. Akuter Schmerz dauert höchstens zwölf Wochen, Chronischer Schmerz hingegen bleibt. Chronischer Schmerz ist eine Krankheit, sogar eine sehr komplexe. Im Gegensatz dazu sind akute Schmerzen sinnvolle Warnsignale, die der Körper an das Gehirn schickt. Diese Funktion geht durch die Chronifizierung verloren.

Sehr individuelles Krankheitsbild
Jeder kennt Akutschmerz, aber nur Betroffene wissen, was es bedeutet, ein Leben unter ständigen Schmerzen führen zu müssen. Komplex wird die Krankheit Schmerz dadurch, dass sie individuell ist und deshalb nicht einheitlich behandelt werden kann, wie viele andere Krankheiten. Und noch etwas anderes kommt hinzu: Akuter Schmerz ist ein Hinweis auf eine Gewebeschädigung - Chronischer Schmerz lässt häufig keinen Zusammenhang mehr mit den Ursachen erkennen.
Die meisten Schmerzpatienten leiden unter Rückenschmerzen, es folgen Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich sowie Kopfschmerzen.

Eine multimodale Therapie ist zentral
Chronische Schmerzen sind ein vielschichtiges Krankheitsbild. Um sie fachgerecht zu behandeln, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfahrener Schmerzspezialisten mit Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie weiteren Fachgruppen nötig. In Deutschland gibt es eine Vielzahl wirksamer Konzepte für die Behandlung Chronischer Schmerzen.

Mangelhafte Versorgungssituation in Deutschland
Für die etwa zwölf Millionen Betroffenen stehen jedoch gegenwärtig lediglich 1.027 schmerztherapeutisch tätige Ärzte zur Verfügung. Davon sind nur 381 vollzeitig in der Schmerzmedizin tätig. Analysen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS) berechnen aktuell den Bedarf auf 5.347 Spezialisten, dies entspricht einem vollzeitig tätigen Schmerzmediziner pro 15.000 Einwohner.
Untersuchungen für das Europäische Weißbuch Schmerz (Pain Proposal) ergaben: 43 Prozent der Patienten mit Chronischen Schmerzen müssen hierzulande länger als ein Jahr warten, bis ihre Diagnose gestellt und eine geeignete Therapie eingeleitet wird - bei vielen dauert es bis zu fünf Jahre oder länger.

Keine ausreichende Qualifikation bei Ärzten
Ein weiteres großes Problem ist die integrierte Versorgung. Obwohl es in Deutschland funktionierende Versorgungsmodelle gibt, fehlt ihre Anwendung im ambulanten Bereich. Dadurch konsultieren viele Patienten über Jahre hinweg Ärzte verschiedener Fachrichtungen, ohne eine adäquate Hilfe zu bekommen. 19 Prozent der Betroffenen sind der Meinung, dass ihre Schmerzen nicht angemessen behandelt werden.
Das liegt mitunter an der fehlenden Qualifikation vieler Ärzte. Es gibt in Deutschland keinen Facharzt für Schmerztherapie. Folglich - auch das ergaben die Untersuchungen - sind sich 48 Prozent der Allgemeinmediziner nicht sicher, was zu tun ist, wenn ein Patient trotz ihrer Behandlung längere Zeit über Schmerzen klagt.

Welche Folgen hat eine unzureichende Therapie?
Werden akute Schmerzen falsch behandelt, können sie chronisch werden. Die richtige Akuttherapie kann erwiesenermaßen eine Chronifizierung von Schmerzen verhindern. Durch falsche Therapiekonzepte resignieren viele Patienten. Sie zweifeln aufgrund ihrer schlechten Erfahrung daran, dass es wirksame Behandlungsmethoden für ihre Beschwerden gibt. Chronische Schmerzen haben direkte Folgen für das familiäre und soziale Umfeld Betroffener und erhebliche Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. 21 Prozent der Befragten fühlen sich aufgrund der Schmerzen sozial isoliert. Jeder zweite Chronische Schmerzpatient sagt, dass die Krankheit direkte Auswirkungen auf seinen Beschäftigungsstatus hat. 18 Prozent der Patienten sind aufgrund ihres Gesundheitszustands überhaupt nicht in der Lage zu arbeiten. 47 Prozent sorgen sich über den Einfluss, den die Schmerzen auf ihre Beziehungen zu anderen Menschen haben, und 39 Prozent sind der Ansicht, dass sich ihre Schmerzen negativ auf Familie und Freunde auswirken.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Das alles hat nicht nur gravierende Folgen für die Patienten und ihre nächsten Angehörigen. Chronische Schmerzen verursachen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten, die in Deutschland jährlich bei 38 Milliarden Euro liegen. 28 Milliarden Euro davon entstehen allein durch Arbeitsunfähigkeit und Berentung.